Prämonstratensische Kanones
Die Prämonstratenser, in den Vereinigten Staaten gemeinhin als Norbertiner und in England als Weiße Chorherren bekannt, wurden 1120 von dem heiligen Norbert in Prémontre, Frankreich, gegründet. Sie vereinten ein kontemplatives und zugleich aktives Leben und gehörten zu den ersten Orden in der Geschichte der Kirche, die beide Charismen erfolgreich lebten. Daher trug ihr Orden maßgeblich zur Entstehung der Bettelorden in den folgenden Jahrhunderten bei.
Obwohl der heilige Norbert zunächst die Regel des heiligen Augustinus befolgte, übernahm er später viele der zisterziensischen Lebensweisen, darunter die strenge Askese. Einen prägenden Einfluss auf sein Leben hatte der berühmte heilige Bernhard von Clairvaux, ein persönlicher Freund und Zisterzienserabt.
Im Jahr 1125 bestätigte Papst Honorius II. offiziell den Prämonstratenserorden. Dieser verbreitete sich rasch in ganz Westeuropa. Schon bald unternahmen die Chorherren Missionsreisen nach Osteuropa, wo sie beträchtlichen Einfluss gewannen, insbesondere in Ungarn.
Im Laufe der Zeit erfuhr der Orden zahlreiche Reformen, da viele Regeln weniger konsequent durchgesetzt und praktiziert wurden. Tatsächlich entstanden mehrere unabhängige Kongregationen aufgrund unterschiedlicher Ansichten über die Führung des Ordens. Wie andere Orden mussten auch die Chorherren während der Französischen Revolution einen hohen Preis zahlen und hilflos mitansehen, wie ihr Orden in den Jahren nach den Napoleonischen Kriegen (1796–1815) beinahe aufhörte zu existieren. Glücklicherweise erlebte der Orden jedoch im vergangenen Jahrhundert, vor allem dank einer bedeutenden Erneuerung in Belgien, einen neuen Aufschwung.