Kartäuserorden

Die Kartäuser, 1084 von dem heiligen Bruno gegründet, sind ein kontemplativer Mönchsorden, der sich einem strengen Regime aus Gebet, Selbstverleugnung und Abgeschiedenheit verpflichtet fühlt. Ähnlich wie die Zisterzienser haben die Kartäuser ihren Namen von ihrem Ursprungsort, der Grande Chartreuse, einem Tal nahe Grenoble in Frankreich.

Da der heilige Bruno in den Anfangsjahren keine formelle Ordensregel verfasste, wurden die Mitglieder angewiesen, dem Beispiel des Gründers in Geist und Brauch zu folgen. Dies erwies sich jedoch mit der Zeit als recht schwierig. 1127 legte Guigues du Chastel (der fünfte Prior von La Grande Chartreuse) die erste Regel fest. Fünf Jahre später wurde sie von Papst Innozenz II. bestätigt. 1245 wurde der erste Kartäuserorden gegründet.

Im Jahr 1258 erließ der Orden eine neue Fassung der Statuten mit dem Titel „Statuta Antiqua“, und 1368 folgte eine weitere Fassung, die „Statuta Nova“. Knapp 150 Jahre später veröffentlichte der Orden eine Sammlung der verschiedenen Verordnungen und eine Zusammenfassung der Statuten unter dem Titel „Tertia Compilatio“. Im darauffolgenden Jahr druckte Johann Amorback die Statuten erstmals, und 1581 erschien die „Nova Collectio Statutorum“.

Seit ihrer Gründung zählt der Kartäuserorden zu den strengsten und kontemplativsten Orden der gesamten Kirche. Gemäß den Regeln des heiligen Bruno widmeten die Mönche ihren gesamten Tag der Stille, dem Gebet und der Abgeschiedenheit. Mit Ausnahme der gemeinsamen Morgenmesse, der Vesper und des Abendgebets verbrachten sie die übrige Zeit mit Arbeit, Gebet und dem Essen in Einsamkeit. An bestimmten Feiertagen jedoch kamen sie zusammen, um gemeinsam zu speisen.

Da sie sich fast vollständig aus der Gesellschaft zurückgezogen hatten, teilten die Kartäuser nicht das traurige Schicksal anderer Ordensgemeinschaften während der Wirren des Mittelalters. Die meisten entgingen der Verfolgung, doch einige Mitglieder wurden unter König Heinrich VIII. in England hingerichtet. Die Französische Revolution war dem Orden jedoch noch weniger wohlgesonnen. Als im 19. und frühen 20. Jahrhundert antiklerikale Gesetze in Frankreich die Oberhand gewannen, erlitten die Kartäuser viele Schicksalsschläge. In Ländern wie Spanien und Italien blieben sie jedoch weiterhin sehr beliebt. Heute sind sie weltweit vertreten.

Einer Legende der Kartäuser zufolge gab es einst einen Papst, dem ihre Ordensregel zu streng erschien. Er bat die Mönche daher, sie zu ändern. Daraufhin entsandten die Kartäuser eine Delegation von 27 Mönchen nach Rom, um für sie zu werben. Als die Gruppe im Vatikan ankam, stellte der Papst fest, dass das jüngste Mitglied 88 und das älteste 95 Jahre alt war. Daher beließ der Heilige Vater die Regel unverändert.

Bis heute gilt der Kartäuserorden in den Augen der Kirche als das vollkommenste Vorbild eines bußfertigen und kontemplativen Zustands.